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Christus gewinnen und ihn ausleben

Wir müssen von Paulus lernen. Er sagte zwei sehr kostbare Dinge: „Zu leben ist für mich Christus“ (Phil. 1:21) und „damit ich Christus gewinne“ (Phil. 3:8). Er hat in jedem Moment Christus ausgelebt und wollte ihn allezeit gewinnen. Als ich jung war, suchte ich nach Bibel- wissen. Als ich dann eine gewisse Erkenntnis gewonnen hatte, habe ich entdeckt, dass ich nicht die Kraft hatte, danach zu handeln. Mir ging es wie den Juden damals, die nur das Gesetz Gottes kannten, aber nicht das Leben besaßen, um es zu halten. Die Pharisäer und Schriftgelehrten hatten mehr Erkenntnis als alle anderen, aber sie haben nicht nur nicht geschienen, sondern im Gegenteil, sie lebten in Finsternis und Tod. Vielleicht hat sogar mit der Erkenntnis auch die Finsternis zugenommen. Denke daran: Der Buchstabe tötet (vgl. 2.Kor. 3:6). Heute liebt jeder Erkenntnis, aber sehr wenige möchten Christus gewinnen und leben. Unser Herr ist lebendig, daher müssen wir den lebendigen Christus kennen. Er lebt als der Geist in uns und er möchte, dass wir ihn in unserem täglichen Leben ausleben. Nur so können wir das Licht offenbar machen. Dafür müssen wir üben, in beständiger Gemeinschaft mit dem Herrn zu sein.

Christus groß machen

Philipper 1:20-21 sagt: „Wie ich sehnlich erwarte und hoffe, dass ich in nichts zuschanden werde, sondern dass mit allem Freimut, wie immer, so auch jetzt, Christus groß gemacht wird an meinem Leib, es sei durch Leben oder durch Tod; denn zu leben ist für mich Christus.“ Das ist der Wunsch einer Person, die Christus lebt. Paulus hatte solch ein Verlangen in sich, dass Christus an seinem Leib groß gemacht wird, es sei durch Leben oder durch Tod. Solch eine Person leuchtet wirklich, sie lebt Christus aus. Für Paulus ist es eine Schande, wenn er Christus nicht lebt. Er war nicht nur eine Person, die die Wahrheit mitteilen konnte, sondern er war ein Mensch, der Christus auslebte. Es ist einfach, eine Botschaft zu geben und einen Punkt darzulegen, aber es ist nicht einfach, Christus auszuleben.

Alle, die dem Herrn dienen, müssen ein Leben führen, das Christus aus- lebt. Sie brauchen einen ernsthaften Wunsch, Christus groß zu machen. Im Gemeindeleben geht es nicht darum, auf welche Art und Weise et- was gemacht wird, denn eine Art und Weise funktioniert vielleicht bei dir, aber nicht bei mir. Genauso funktionieren vielleicht meine Methoden nicht bei dir. Der Grund ist, dass Methoden von der Person abhängen, die sie befolgt. Vielleicht haben wir verschiedene Ansichten über Methoden, aber selbst das stellt kein Problem dar. Paulus hatte in Philipper 3 die richtige Ansicht, während andere sie nicht hatten. Aber er sagte in Philipper 3:15: „Alle nun, die erwachsen sind, lasst uns diesen Sinn haben; und wenn ihr in irgendeinem Punkt anders denkt, so wird euch Gott auch dies offenbaren.“ Die Frage ist, ob wir Christus ausleben oder nicht. Wenn wir ihn nicht ausleben, spielt es keine Rolle, wie gut wir eine Sache tun können, denn diese Sache hat dann gar keinen geistlichen Wert. Wenn alle verantwortlichen Brüder und alle Dienen- den in der Gemeinde Christus ausleben, dann werden sie definitiv alle scheinen. Dann wird es keine Probleme geben.

Paulus wollte nicht nur Christus ausleben, sondern er zielte auch darauf ab, Christus an seinem Leib groß zu machen. Wie oft vergrößern wir uns selbst, prahlen mit unserem Talent und mit unserer Klugheit, vergrößern aber nicht Christus! Paulus sagte: „Wie immer, so auch jetzt, Christus groß gemacht wird an meinem Leib“ (Phil. 1:20). Er sagte „wie immer“ und nicht gelegentlich, nicht wenn er zufällig daran denkt. Es war die Gewohnheit von Paulus, Christus groß zu machen. Wie steht es mit uns? Es scheint, dass es unsere gewöhnliche Praxis ist, Christus nicht groß zu machen. Daher finden wir es schwierig, Christus zu vergrößern. Ist das nicht so bei dir? Es war die Gewohnheit von Paulus, Christus zu vergrößern. Es wäre wunderbar, wenn auch wir solch eine Gewohnheit entwickeln könnten! Wie traurig ist es, dass wir es normal finden, Christus nicht zu leben; wenn wir dann Christus gelegentlich ausleben, sind wir begeistert. Möge der Herr uns barmherzig sein. Wenn wir scheinen wollen, dann müssen wir es zu unserer Gewohnheit machen, Christus zu leben und ihn groß zu machen.

2.Korinther 3:18 sagt, dass wir die Herrlichkeit des Herrn widerspiegeln sollen. Einerseits sollen wir das Leben Christi ausleben, andererseits sollen wir die Herrlichkeit des Herrn Jesus widerspiegeln. Daher müssen wir alle die Herrlichkeit des Herrn mit aufgedecktem Angesicht schauen. Das ist sehr praktisch und wunderbar! Wenn wir die Bibel lesen und dabei nur etwas Erkenntnis und einige Lehren ansammeln, wer- den wir die Herrlichkeit Christi nicht widerspiegeln. Besonders alle Boten der Gemeinden und alle Dienenden müssen die Herrlichkeit Christi widerspiegeln. Es nützt nichts, wenn du den Heiligen nur eine Botschaft geben kannst, denn du musst auch das herrliche Licht Christi widerspiegeln. Nur auf diese Weise werden wir zu einem Stern in der rechten Hand des Herrn. Um die Herrlichkeit des Herrn widerzuspiegeln, müssen wir zunächst alle Decken wegnehmen, unser Herz zum Herrn wen- den und die Herrlichkeit des Herrn mit einem aufgedeckten Angesicht anschauen. Das bewirkt unsere Umwandlung in das Bild des Herrn. Diese Umwandlung geschieht von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, denn sie ist das Ergebnis des Umwandlungswerks des Herrn Geist. Wenn wir das Wort des Herrn lesen und nur Erkenntnis gewinnen, ohne dabei die Herrlichkeit des Herrn zu sehen, dann haben wir die Bibel umsonst gelesen! Wenn eine Decke auf dir liegt, bist du wie die Israeliten, die nur das Gesetz gesehen haben, nicht aber die Herrlichkeit Christi. Kein Wunder, dass manche dachten, wir würden zum Gesetz zurückkehren, als wir das dritte Buch Mose gelesen haben. Sie sehen nur das Gesetz im dritten Buch Mose, aber wir sehen darin die Herrlichkeit des Herrn.

Die Vergangenheit vergessen und sich nach vorne ausstrecken

Nach so vielen Jahren im Gemeindeleben ist es heute nicht unser Wunsch, nur die Bibel zu verstehen und etwas Erkenntnis daraus zu gewinnen. Unser innerster Wunsch besteht darin, die Wirklichkeit Christi zu gewinnen. Christus ist lebendig, er ist unbegrenzt. Es gibt noch so viel mehr von seinen unausforschlichen Reichtümern, die wir sehen und erfahren müssen. Paulus hat allezeit die Vergangenheit vergessen; er hat sowohl die guten als auch die schlechten Erfahrungen vergessen. Wenn sich eine Firma verbessern möchte, muss sie allezeit vergessen, was dahinten ist, denn es gibt so viele neue Dinge, die noch entdeckt und entwickelt werden müssen. Wenn wir die Reichtümer Christi erfahren, wird uns das von Herrlichkeit zu Herrlichkeit bringen. Es gab Herrlichkeit in der Vergangenheit, aber heute ist es noch herrlicher und die Zukunft wird am herrlichsten sein. Die 2000 Jahre Geschichte der Christenheit zeigen uns, dass so viele Gruppierungen noch in der Vergangenheit und in Traditionen leben. Sie bleiben Jahr für Jahr dieselben und nehmen sogar ab. Ich möchte nicht in unseren vergangenen Erfahrungen und Traditionen leben, sondern ich will erfahren, wie ich täglich in der Neuheit des Lebens wandle. Ich trachte danach, in der Zukunft in noch größere Herrlichkeit einzugehen, nämlich von Herrlichkeit zu Herrlichkeit! Unser Verständnis und unsere Erfahrung des Herrn muss heute reicher sein als gestern. Auch in dieser Welt gehen alle Dinge vorwärts. Früher wurden Pferdekutschen verwendet, danach der Ford Modell T. Heute sehen wir alle möglichen Autos: Hybrid- und Elektrofahrzeuge, sogar fahrerlose Autos. Wer weiß, was morgen kommt! Glaubst du nicht, dass Gott uns heute noch mehr bezüglich Christus und der Gemeinde offenbaren möchte? Glaubst du nicht, dass er uns heute etwas Neues und Frisches in Bezug auf sein aktuelles Werk zeigen möchte? Paulus sagte: „Wenn jemand meint, etwas erkannt zu haben, der hat noch nicht erkannt, wie man erkennen muss“ (1.Kor. 8:2). Heute gibt es noch so viel von Christus und der Gemeinde und von seinem heutigen Werk zu entdecken!

Das Scheinen ist die Herrlichkeit. Die Menschen sollen die Herrlichkeit Christi in uns sehen. Wenn sie das nicht sehen, dann stimmt etwas nicht. Als der Herr Jesus auf dieser Erde war, sagte er: „Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen“ (Joh. 14:9). Der Herr hat die Herrlichkeit des Vaters in seinem Lebenswandel, in seinen Worten und Handlungen voll und ganz widergespiegelt. Er brachte den unsichtbaren Gott zum Ausdruck. Johannes sagte: „… wir sahen seine Herrlichkeit, … voller Gnade und Wahrheit [Wirklichkeit]“ (Joh. 1:14). Dies ist der beste Weg für den Dienst. Das Licht, das in Christus war, ist Gott selbst. Wenn wir heute Christus ausleben und seine Herrlichkeit widerspiegeln, dann wird unser Dienst keinen Zank und Streit um Position oder Ruhm verursachen. Nur solch ein Dienst kann den Willen des Vaters ausführen und ihn zufriedenstellen. Wir sollten alle ernsthaft beten: „O Herr, mache mich zu einem leuchtenden Stern in der Gemeinde!“