Wirf die Magd und ihren Sohn hinaus

Der Prophet Jesaja sprach Gottes Gericht gegen Arabien aus (Jesaja 21:13-17). Arabien stammt von Ismael ab, dem ersten Sohn Abrahams. Abraham hatte Ismael mit Hagar, der ägyptischen Magd von Sara, gezeugt. Ismael ist also der Halbbruder von Isaak, dem zweiten Sohn Abrahams. Ismael und Isaak haben den gleichen Vater (Abraham), aber unterschiedliche Mütter (Hagar und Sara). Zwischen beiden Söhnen entstand Feindschaft. Bis heute ist Arabien ein Feind Israels. Wegen der Verwandtschaftsbeziehung über Abraham kann dieser Feind als ein Feind „von innen“ bezeichnet werden. Israel hat auch Feinde „von außen“, zum Beispiel Babylon, die nicht mit Israel verwandt sind. In diesem Sinn ist Arabien Israels Feind von innen. Dies hat für uns Christen heute eine wichtige, geistliche Bedeutung.

Gott hat Abraham versprochen, ihn zu einer großen Nation zu machen. Doch es gab ein Problem: Abraham hatte keine Kinder, denn seine Frau Sara war unfruchtbar. Als die Zeit verstrich und Abraham über 80 Jahre alt war, wurde er ungeduldig. Also hat er versucht, das Eintreffen der Verheißung Gottes zu beschleunigen. Er nahm Hagar, die Magd Saras, und zeugte mit ihr einen Sohn: Ismael. Das Resultat hat jedoch nur Probleme bereitet – bis heute! Dennoch hat Gott seine Verheißung viele Jahre später erfüllt und auch Sara bekam einen Sohn: Isaak. Nun hatte Abraham zwei Söhne. Doch welcher ist jetzt der Erbe?

Der Apostel Paulus greift diese Geschichte in Galater 4:21-31 auf und wendet sie auf uns Christen an, die wir zur Zeit des Neuen Bundes leben. Er zeigt, dass Ismael ein Bild auf unser Fleisch ist: „Aber der von der Magd ist nach dem Fleisch geboren.“ Wir alle sind ebenso von unseren Eltern nach dem Fleisch geboren worden. Irgendwann im Laufe unseres Lebens haben wir zu Jesus Christus gefunden, sind gläubig geworden und haben uns in Christus hinein taufen lassen. Wir sind wiedergeboren worden. Und genau das ist unsere zweite Geburt, nämlich die Geburt nach dem Geist. Das ist Isaak, der nach dem Geist geborene. Von nun an haben wir als Christen also zwei „Leben“ in uns: Zuerst Ismael, der ältere, nämlich unser Fleisch, und dann Isaak, der nach dem Geist geborene. Nun ist die große Frage: Welches dieser beiden Leben leben wir aus? Als Christen stehen wir jeden Tag vor der Wahl. Leben wir im Fleisch oder im Geist? Wir können sehr wohl unser ganzes Leben lang im Fleisch leben, obwohl wir echte, wiedergeborene Christen sind. Das ist schrecklich!

Es gibt einige Auflistungen in der Bibel, die das Fleisch beschreiben. Eine davon ist in Galater 5:19-21a: „Offenbar aber sind die Werke des Fleisches, welche sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zornausbrüche, Streitereien aus Selbstsucht, Spaltungen, Sektiererei, Neid…“. Andere Beschreibungen der Werke des Fleisches finden sich in Römer 1:29-31, Epheser 4:19, 31 und Kolosser 3:5, 8. Wenn wir Christen durch das Fleisch leben, werden wir Tod und Verderben ernten (vgl. Römer 8:6; Galater 6:8). Am Ende werden wir sogar unser Erbe verlieren. Paulus sagt sehr deutlich: „Das nun sage ich, Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können“ (1.Korinther 15:50). Er spricht hier zu Brüdern, zu Christen, die offenbar in der Gefahr standen, den Eingang in das Reich Gottes zu verlieren. Wir dürfen keinesfalls zulassen, dass unser Fleisch uns unseres Erbes beraubt.

Doch Gottes Wort zeigt uns, dass es zwischen dem Fleisch und dem Geist eines Christen allezeit zu Konflikten kommt: „Jedoch, genau wie damals der nach dem Fleisch Geborene den nach dem Geist Geborenen verfolgte, so ist es auch JETZT“. Kennen wir diese Erfahrung nicht auch von uns heute? Wie oft merken wir, wie in uns das Fleisch gegen den Geist streitet? Wir möchten gerne Gottes Willen tun, vermögen es aber nicht, weil das Fleisch dagegen kämpft (vgl. Galater 5:17; Römer 8:7). Genauso hat Ismael seinen Mutwillen mit Isaak getrieben (vgl. 1.Mose 21:9). Was sollen wir da tun? Das Wort sagt: „Die aber Christi Jesu sind, haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden“ (Galater 5:24). Wir haben das Fleisch gekreuzigt! Wir müssen also mitwirken und „durch den Geist die Handlungen des Leibes töten“ (Römer 8:13).

Genauso müssen wir unsere „Glieder töten, die auf der Erde sind, welche sind: Unzucht, Unreinheit…“ (Kolosser 3:5). Das ist die einzige Behandlung des Fleisches, die am Ende wirkt. Niemals dürfen wir auf die Idee kommen, mit dem Fleisch einen Kompromiss einzuhandeln. Diesen Kampf können wir nur durch den Geist gewinnen. Paulus sagt: „Wandelt durch den Geist, so werdet ihr die Begierde des Fleisches gewiss nicht vollbringen“. Daher müssen wir als Christen heute lernen, so absolut zu sein, wie Sara es damals war. Sie sagte zu Abraham: „Wirf die Magd und ihren Sohn hinaus, denn der Sohn der Magd soll keinesfalls erben mit dem Sohn der Freien“ (Galater 4:30). Wir müssen allezeit mitwirken und unser Fleisch hinauswerfen. Wenn wir nicht täglich mit der Gnade zusammenwirken und unser Fleisch auf diese Weise behandeln lassen, werden wir am Ende unser Erbe verlieren. Dann dürfen wir nicht in das kommende, 1000-jährige Reich eingehen. Das wäre eine Tragödie! Daher müssen wir heute üben, durch den Geist alle Handlungen des Leibes zu töten.