Wehe der stolzen Krone Ephraims

In den Kapiteln 28 bis 35 von Jesaja spricht Gott fünf „Wehe“ aus gegen Israel und Juda. Ein weiteres „Wehe“, das sechste, richtet sich gegen den Verwüster, nämlich Assyrien. Das erste Wehe gilt Ephraim. Es richtet sich also an die zehn Stämme Israels im Norden. Gott sagt zu ihnen: „Wehe der stolzen Krone der Betrunkenen Ephraims, der welken Blume seines herrlichen Schmucks auf dem Gipfel über dem fetten Tal der vom Wein überwältigten! Siehe, der Herr hat einen Starken und Gewaltigen bereit; wie ein Hagelwetter, wie ein verderbenbringender Sturm, wie ein Wolkenbruch mit mächtiger Wasserflut; er wirft sie zu Boden mit Macht. Mit Füßen wird zertreten die stolze Krone der Betrunkenen Ephraims; und der welken Blume seines herrlichen Schmucks auf dem Gipfel über dem fetten Tal wird es ergehen wie einer Frühfeige vor der Obsternte: Wer sie erblickt, verschlingt sie, sobald er sie in der Hand hält“ (Jesaja 28:1-4).

Gott weist sein Volk zuerst darauf hin, dass es betrunken ist. Wovon? Es ist betrunken von Stolz. Der zweite Teil von Vers vier zeigt uns, dass es eine Zeit gab, in der das Volk Gottes herrlich war. Aber wie schnell ist es passiert, dass es stolz geworden ist! Seid vorsichtig, denn auch wir Christen können schnell stolz und berauscht werden. Wir meinen, wir seien „DIE“ Gemeinde, wir seien so herrlich. Am Ende denken wir, niemand auf der Erde kann so eine herrliche Gemeinde bauen wie wir, selbst in 100 Jahren nicht. So ein Gerede zeigt, wir sind betrunken und nicht mehr nüchtern. Ebenso wird der schöne Schmuck, die herrliche Blume, verwelken. Vielleicht war die Gemeinde einmal ein herrlicher Ausdruck. Doch mit der Zeit steigen langsam Stolz und Hochmut in uns auf. Der Feind Gottes wirkt schleichend, denn sonst würden wir es sofort erkennen. Die listige Schlange wirkt Stück für Stück. Schließlich bewundern die Christen in der Gemeinde nicht mehr den Herrn und geben ihm alle Ehre, sondern sie bewundern sich selbst und die vermeintlich herrliche Gemeinde. Wir denken, dass wir schon so viel in der Bibel gesehen hätten und stellen uns in den Mittelpunkt. Wir erheben uns selbst, und so beginnt das Gift Luzifers in uns zu wirken. Dieses Gift macht uns geistlich krank.

So ist es damals wirklich mit Ephraim und Juda geschehen. Nicht nur die irdischen Weine können uns leicht berauschen, sondern auch Hochmut, Selbstverherrlichung und Positionsdenken. Auch die Pharisäer, Schriftgelehrten und Hohepriester zur Zeit Jesu waren am Anfang ihres Dienstes wahrscheinlich noch nicht in solch einem gefallenen Zustand. Doch mit der Zeit wurden sie betrunken und stolz. Genauso kann es uns heute auch ergehen. Wenn wir beginnen, täglich ein wenig von diesem Wein des Hochmuts zu trinken, werden wir süchtig und kommen nicht mehr davon los. Das Problem bei einem Betrunkenen ist, dass er seinen Zustand nicht mehr wahrnimmt. Gerade über die Leitenden von Gottes Volk sagt Gott: „Aber auch diese taumeln vom Wein und schwanken vom Rauschtrank: Priester und Prophet sind vom Rauschtrank berauscht, vom Wein benebelt, sie taumeln vom Rauschtrank; sie sehen nicht mehr klar, urteilen unsicher“ (Jesaja 28:7). Wie erschreckend ist es, wenn gerade diejenigen, die Gottes Volk anleiten sollen, vom Wein benebelt sind! Sie sehen nicht mehr klar und ihr Urteil ist unsicher. Genau solch eine Situation erkennen wir unter uns Christen in vielen Gemeinden wieder. Der Wein des Stolzes und der Selbstgefälligkeit hat sie berauscht. Das schlimmste ist, dass man es selbst nicht einmal merkt. Es gibt viele Dinge, die uns Christen vergiften und zur Sucht werden können.

Gerade jetzt, kurz vor der Wiederkunft des Herrn, müssen wir wachen und nüchtern werden. Paulus sagt: „Ihr aber, Brüder, seid nicht in der Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb überfallen könnte; ihr alle seid Söhne des Lichts und Söhne des Tages. Wir gehören nicht der Nacht an noch der Finsternis. So lasst uns auch nicht schlafen wie die anderen, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein! Denn die Schlafenden schlafen bei Nacht, und die Betrunkenen sind bei Nacht betrunken; wir aber, die wir dem Tag angehören, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Brustpanzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung der Errettung. Denn Gott hat uns nicht zum Zorn bestimmt, sondern zum Erlangen der Errettung durch unseren Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, damit wir, ob wir wachen oder schlafen, zusammen mit ihm leben sollen“ (1.Thessalonicher 5:4-10).

Mögen wir wachen und nüchtern sein, damit die Wiederkunft des Herrn nicht wie ein Dieb in der Nacht über uns kommt!