Wahre Wiederkäuer wollen wir sein

In 3.Mose 11:3 steht geschrieben: „Alles was ganz gespaltene Klauen hat und wiederkäut unter den Tieren, dürft ihr essen.“ Dieses Wort ist Teil des Gesetzes Gottes für das Volk Israel zur Zeit des Alten Bundes. Gilt dieses Wort auch heute noch im Neuen Bund? Ja, denn durch Jesus Christus ist die Erfüllung von Gottes ganzem Gesetz gekommen. Wir wollen herausfinden, wie richtiges Wiederkäuen funktioniert, um so auch zu richtigen Wiederkäuern des Wortes Gottes zu werden.

Wir schauen uns dies am Beispiel einer Kuh an. Eine Kuh sucht 30 bis 60 Mal am Tag den Futtertrog und nimmt dabei bis zu 70 kg Gras auf. Zuerst wird nur gefressen und fast nicht gekaut, da die Kuh keine oberen Schneidezähne besitzt, sondern nur eine Hornplatte hat. Das Futter wird mit etwas Speichel abgeschluckt und kommt so sehr schnell durch den Schlund in den Pansen, welcher einer der vier Mägen der Kuh ist. Er füllt mit seinem Volumen von 150 bis 180 Liter fast die ganze linke Bauchhöhle aus und stellt eine riesige Gärkammer dar. Viele Milliarden von Bakterien und Einzellern (insgesamt etwa 7 kg) bevölkern den Pansen und produzieren bei ihrer Tätigkeit Säure. Die Säure vorverdaut das Futter und baut einfache Bestandteile wie Zucker ab. Ist die Kuh mit der Futteraufnahme zu Ende, legt sie sich 10 bis 14 Stunden am Tag hin und kaut davon den größten Teil der Nahrung wieder. Dabei wird bis zu 200 Liter Speichel am Tag gebildet, welcher den Auftransport vom Pansen ins Maul wieder ermöglicht. Die Kuh kaut dann lange darauf herum und schluckt es wieder nach unbestimmter Zeit ab. Der zweite Magen ist der Netzmagen. Dieser kann sich stark zusammenziehen und siebt praktisch die Nahrung durch und lässt in den dritten Magen – den Blättermagen – nur das durch, was fein genug ist. Er ist der letzte Vormagen. Eine Hauptaufgabe ist die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen. Aber auch im Blättermagen werden noch Futterpartikel von Kleinlebewesen abgebaut. Zuletzt kommt der Labmagen, der letzte der vier Mägen der Kuh – der eigentliche Magen. In ihm laufen die gleichen Vorgänge ab, wie im Magen eines Nichtwiederkäuers (z.B. beim Menschen). Salzsäure löst die noch vorhandene Struktur der Nahrungsbestandteile. Danach gelangt die Nahrung in den Darm.

Was bedeutet dies nun für uns heute als Gläubige im Neuen Bund? Auch wir müssen lernen, geistliche Nahrung auf die richtige Art und Weise zu uns zu nehmen. Unser Umgang mit Gottes Wort ist essentiell wichtig. Wie die Kuh sollten wir auch am besten oftmals am Tag im Wort lesen und es so in uns aufsaugen (die Kuh macht dies 30 bis 60 Mal pro Tag). Doch das gelesene Wort gelangt zuerst einmal in unseren Verstand. Dort wird es aber oft nicht langfristig abgespeichert, sondern nur im Kurzzeitgedächtnis behalten. Außerdem gelangt das Wort nicht automatisch in unser Herz und wohnt dort. Doch Paulus sagt: „Lasst das Wort Christi reichlich in euch wohnen“ (Kolosser 3:16). Deshalb ist es wichtig, dass wir uns in Ruhe Zeit für das Wort nehmen und Vers für Vers wiederkäuen. Dabei kann man dieselben Verse immer wieder lesen und dabei mit ernstlichem Gebet den Herrn Jesus darin suchen. Wenn wir dem Heiligen Geist Raum geben, wird er jedes Mal aufs Neue in uns wirken, wenn wir das Wort Gottes so essen. Er wird uns mehr Offenbarung über das Wort Gottes geben und uns innerlich erleuchten. Auch die Geschwister im Herrn können uns dabei helfen – wir können uns gegenseitig ermutigen, mehr im Wort zu lesen, zu beten, und vor allem, mehr wiederzukäuen. Je mehr Umgang wir mit dem lebendigen Wort Gottes haben und es wirklich in uns hinein aufnehmen, es im alltäglichen Leben umsetzen und Jesus als all die Opfer und Feste erfahren, desto mehr wird das Wort Gottes in uns verdaut und in die weiteren „geistlichen Mägen“ hineingebracht. Auf diese Weise wirkt das Wort in uns, wir tun danach und wir wachsen im Glauben. Dann wird Gottes Wort uns in allen Situationen in dieser Welt beistehen, uns erretten, heilen und zurechtbringen: „Die ganze Schrift ist gottgehaucht und nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet“ (2.Timotheus 3:16-17).