Ikabod – die Herrlichkeit ist gewichen (Teil 2)

Die Geschichte des Volkes Israels ist für uns aufgeschrieben, damit wir heute daraus lernen. Als der Priesterdienst und der Zustand des Volkes Gottes in 1.Samuel 2 ganz verdorben war, konnte Gott es nicht mehr aushalten und hat sein Haus verlassen; die Herrlichkeit Gottes ist von der Stiftshütte gewichen. Diese Geschichte von „Ikabod“ (bedeutet: keine Herrlichkeit; siehe 1. Samuel 4) zeigt, dass Gott mehr auf den Zustand seiner Gemeinde schaut als auf eine gute Predigt oder ein schönes Gemeindeleben.

Der zweite Auszug

Kurz nach der Zeit Samuels kam Israel unter dem König David zu seiner Blüte. Doch leider hielt dieser Zustand nicht lange an. Bald ging es mit der Nation Israel wieder bergab. Zuerst baute Davids Sohn Salomo den Tempel für Gott. Doch kurz darauf errichtete er auch Anbetungsstätten für heidnische Götzen. Im Lauf der folgenden Generationen wurde der Tempel, das Haus Gottes, nach und nach zu einem Ort des Götzendienstes. Der Prophet Hesekiel beschreibt, wie die Priester, Könige und das ganze Volk Gottes im Tempel ihre Götzen anbeteten (vgl. Hesekiel 8). Gott toleriert niemals, dass in seinem Haus Götzen angebetet werden. So konnte Hesekiel beobachten, wie die Herrlichkeit Gottes den Tempel verlassen hat (vgl. Hesekiel 11:22-25).

Dieses Mal ist Gott nicht nur ausgezogen, sondern hat durch den babylonischen König Nebukadnezar sein Gericht kommen lassen. Gott möchte sein Haus nicht zerstören lassen, aber er hatte keine Wahl. Wenn eine Wohnung mit Mäusen, Ratten und Kakerlaken befallen ist, werden selbst wir nicht mehr darin wohnen wollen! Wieviel mehr will auch Gott nicht in so einem Zustand wohnen. Als die Israeliten in der Wüste wanderten, zog Gott vor das Lager. In Silo verließ er die Stiftshütte. Nun ist sogar die Herrlichkeit Gottes vom Tempel gewichen!

Die Herrlichkeit Gottes in der Gemeinde

So wie die Stiftshütte bzw. der Tempel die Bundeslade enthielt, so soll die Gemeinde heute die Fülle Christi sein. Gott möchte eine Gemeinde, die herrlich ist, heilig und makellos, sodass er unter den Menschen wohnen kann (vgl. Epheser 3:19; 5:27).

Der Anfang der Gemeinde in der Apostelgeschichte war herrlich, weil Gott unter ihnen wohnte und wirkte. Doch schon in den späteren Briefen wird berichtet, dass sich alle Gemeinden in Kleinasien abgewandt hatten (vgl. 2.Timotheus 1:15). Trotz aller Ermahnungen zur Umkehr ist das Ergebnis in Offenbarung 3:20a: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.“ Die Gemeinde hielt weiterhin ihre Gottesdienste ab und war aktiv, aber Jesus stand vor der Tür und musste anklopfen. Das heißt, er war draußen. Wieder hat die Herrlichkeit Gottes in Jesus Christus die Gemeinde verlassen – genau wie „Ikabod“ zur Zeit des Alten Bundes.

Gott geht immer weiter voran, aber sein Volk will nicht mitgehen. Jedes Mal, wenn die Gläubigen geistlich stehen bleiben, verschlechtert sich der geistliche Zustand und es gibt wieder einen „Ikabod“. Durch den Aufbau einer Organisation versucht man Gottes Wirken zu konservieren und an die nächste Generation weiterzugeben. Man fragt nicht, ob es Gott noch gefällt und ob seine Herrlichkeit noch da ist. Gott geht immer weiter, niemand kann ihn festhalten oder einsperren. Obwohl die Herrlichkeit Gottes nicht mehr da ist, machen die Gläubigen trotzdem weiter.

Dem Lamm folgen, wohin es auch geht

Heute müssen wir aus der Geschichte lernen. Was sollen wir tun, wenn wir merken, dass der Herr nicht mehr da ist? – Frage IHN selbst, wo er ist. Wenn er drinnen ist, dann bleibe drinnen. Sage nicht so schnell, dass der Herr drinnen ist! Es ist schnell gesagt, aber ob das wirklich so ist, ist eine andere Frage. Wenn er draußen ist, dann geh zu ihm. Das ist eine einfache Entscheidung ohne viel zu überlegen. Wenn die Herrlichkeit des Herrn das Haus schon verlassen hat, dann folge ihr.

Am Ende der Bibel zeigt Offenbarung 14 eine Gruppe von Menschen, die Jesus Christus treu gefolgt sind: „Diese sind es, die sich mit Frauen nicht befleckt haben, denn sie sind Jungfrauen. Diese sind es, die dem Lamm nachfolgen, wohin es auch geht. Diese sind Gott und dem Lamm als Erstlinge aus den Menschen erkauft, und in ihrem Mund wurde keine Lüge gefunden; denn sie sind makellos“ (Offenbarung 14:4-5). Gott ruft Erstlinge unter seinem Volk, die dem Lamm folgen, wohin es auch geht. Wir dürfen nicht an unserem Hintergrund festhalten, sondern müssen schauen, wo das Lamm heute hingeht.

Wir müssen also nur eines fragen: Wo ist die Herrlichkeit des Herrn, wo ist das Lamm? IHM müssen wir folgen. Folgt nicht einer toten Lehre, die ihr irgendwann gelernt habt. Wenn wir ihm folgen wollen, so werden wir mit Christus aus dem Lager herausgehen müssen. Der Hebräerbrief zeigt, dass damit auch Leiden verbunden sind: „So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen“ (Hebräer 13:13). Es ist ein Vorrecht, seine Schmach zu tragen. Wenn wir um seinetwillen verfolgt werden, ist unsere Belohnung groß in den Himmeln (vgl. Matthäus 5:10-12). Wenn wir dem Lamm auf diesem Weg bis zum Ende folgen, werden wir bei seiner Wiederkunft die Belohnung empfangen und mit ihm als Erstlinge auf dem himmlischen Berg Zion stehen (vgl. Offenbarung 14:1-5).