Heiligung, Gericht und Läuterung

Ein heiliger Wandel muss unsere Wirklichkeit sein. Die ganze heutige Weltlage fordert uns heraus, der Heiligung nachzujagen und uns von der Welt abzusondern. Aufgrund des COVID-19 Virus sind wir gezwungen, Abstand zu halten. Eigentlich hätten wir uns bereits vorher von der Welt mit all ihren Bösen und auch Guten Dingen und allem, was Gott nicht gefällt, absondern sollen. Leider hängt unser Herz immer noch an vielen Dingen. Ist es nicht erstaunlich, dass in so kurzer Zeit alles angefangen hat zusammenzubrechen? Die Welt bricht in sich selbst zusammen. Diese Situation hilft uns, die Vergänglichkeit zu erkennen. Aber wir haben einen sicheren und festen Anker der Seele (vgl. Hebr. 6:19). Wir können uns heute an nichts festhalten, außer an unserem wunderbaren, lebendigen, dreieinen Gott.

Ein Bewusstsein für Gottes Heiligkeit

Es ist wichtig, dass wir die Heiligkeit Gottes erkennen. Wir schätzen ihn als einen liebenden, barmherzigen und sich um uns sorgenden Gott, der uns unsere Sünden vergibt. Doch es fehlt uns immer noch das tiefe Bewusstsein für die Heiligkeit unseres Gottes. Das ist auch der Grund, warum wir, obwohl wir Christen sind, immer noch nach unserem Fleisch handeln und tun, was uns gefällt. Wir bringen unsere eigenen, statt Gottes Gedanken zum Ausdruck. Der Herr sagte zu Petrus: „Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn du sinnst nicht die Dinge Gottes, sondern die Dinge der Menschen“ (Mt. 16:23b).

Unsere Gedanken sind oft nicht schlecht, aber sie sind menschlich und natürlich. Doch alles Natürliche ist gegen Gott, weil es nicht von ihm ist. Wir Christen denken, unsere Gedanken seien ja gut und vernünftig, doch wir erkennen nicht, dass sie weder heilig noch göttlich sind. Ohne uns dessen bewusst zu sein, sind wir in vielerlei Hinsicht gegen Gott. Nicht selten behindert unser natürliches Denken und Verständnis das, was Gott eigentlich ausführen möchte. Das führt zu vielen Schwierigkeiten und Spaltungen unter den Gläubigen.

Deshalb müssen wir heute ein neues Bewusstsein von Gottes Heiligkeit gewinnen. Gott sagte: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig“ (1.Petr. 1:16b, vgl. 3.Mo. 11:44). Wie oft hat Gott seinem Volk gesagt, dass er der Heilige Israels ist? Wir sind noch nicht ganz geheiligt. Aber Gott ist heilig. Petrus betonte dies in seinem Brief. Deshalb schreibt er auch, dass unser Glaube bewährt werden muss, wie durchs Feuer hindurch, denn er ist noch mit vielen verschiedenen Dingen vermischt. Heiligkeit wird als erstes durch Absonderung definiert. Doch das ist erst der Anfang. Nun müssen wir weiter geheiligt werden, indem wir Teilhaber seiner göttlichen Natur werden (vgl. 2.Petr. 1:4). Denn obwohl wir wiedergeboren, errettet und berufen sind, gibt es in uns immer noch viele Probleme. Das haben wir in den letzten 50 Jahren des Gemeindelebens erfahren. Darum müssen wir jetzt, in den letzten Tagen vor der Wiederkunft des Herrn, der Heiligung unsere volle Aufmerksamkeit schenken. Wenn wir heilig sein wollen, müssen wir auch geläutert und geprüft werden, wie das auch mit Gold und Silber gemacht wird. Das lesen wir in Maleachi 3:3: „Er wird sitzen und schmelzen und das Silber reinigen; er wird die Söhne Levis reinigen und sie läutern wie das Gold und das Silber; dann werden sie dem HERRN Opfergaben darbringen in Gerechtigkeit“.

Geläutert wie Silber

In einem kurzen Video über Maleachi 3 hat eine Frau einen Silberschmied gefragt, wie er Silber läutert: Wann weißt du, dass das Silber völlig geläutert ist? Wie lange dauert der Prozess und wie machst du es? Der Silberschmied hat erklärt: Ich sitze und beobachte es. Es ist so, wie Maleachi es beschreibt – Gott sitzt da und läutert sein Volk. Die Frau hat gefragt: Du sitzt einfach da und beobachtest es? Ja, denn das Silber darf nicht zu lange im Ofen bleiben und zu heiß werden, sonst nimmt es Schaden. Woher weißt du dann, wann die Reinigung beendet ist? Sie war über seine Antwort sehr überrascht: Das ist ganz leicht. Wenn ich das Silber anschaue und mein Gesicht darin erkenne wie in einem Spiegel, ist die Arbeit getan. Ist das nicht wunderbar? Ich habe mir diese wahre Geschichte zu Herzen genommen und gebetet: Herr, setze deine Arbeit fort, bis du dein Bild in mir sehen kannst! Höre nicht vorher auf. Gott beobachtet uns, so wie der Silberschmied das Silber.

Das ist der Prozess der Heiligung. Wir können es nicht selbst tun; es ist Gott, der uns durch das Feuer reinigt und läutert. Die Läuterung durch Feuer ist weder erfreulich noch angenehm, ist aber sehr wirksam. Durch das Blut des Herrn werden wir gereinigt, aber für die Umwandlung und Heiligung benötigen wir das Gericht Gottes. Für die Welt bedeutet das Gericht Gottes den Tod; sie wird nicht bestehen können. Für uns aber, die wir glauben, bedeutet es Errettung, Läuterung, Reinigung und Umwandlung. Auf diese Weise wird alle Vermischung aus uns entfernt. Es gibt keinen anderen Weg, um geheiligt zu werden, damit unser Glaube kostbarer als Silber und Gold erfunden wird (vgl. 1.Petr. 1:7).

Wir beklagen uns, wenn wir durch Prüfungen, Bedrängnisse, Probleme, Druck oder Krankheiten gehen müssen. Wir klagen sogar, wenn wir wegen des Virus unter Quarantäne gestellt werden. Doch mit solch einer Haltung gleichen wir den Menschen der Welt und haben noch nicht erkannt, dass es Zeit ist „dass das Gericht beim Haus Gottes anfängt“ (1.Petr. 4:17). Eigentlich ist das Gericht wunderbar! Wir werden gerichtet – nicht weil wir schuldig sind und verworfen werden, sondern um errettet zu werden. Das Gericht bringt die friedsame Frucht der Gerechtigkeit hervor, damit wir Teilhaber seiner Heiligkeit werden (vgl. Hebr. 12:10-11). Anstatt uns beim Herrn zu beklagen und zu sagen: Warum passiert mir das? Herr, befreie mich von diesem Leiden! sollten wir viel mehr lernen, dem Herrn zu danken und ihn zu loben! Lasst uns weniger klagen und dem Herrn mehr danken, nicht nur für die guten Dinge, sondern für jede Situation und jedes Leiden, die eine Art Reinigung für uns sind.

Sich selbst und nicht andere richten

Wir müssen uns selbst richten, damit wir nicht von Gott gerichtet werden (vgl. 1.Kor. 11:31-32). Meistens sind wir gleich dabei, andere zu verurteilen. Bei uns selbst hingegen drücken wir gerne ein Auge zu. Wegen Kleinigkeiten – winzigen, weltlichen, natürlichen, familiären oder geistlichen Fehlern – verurteilen wir andere sehr schnell. Wenn wir selbst aber schwere Sünden begangen haben, beschönigen wir die Sache und sind großzügig und nachsichtig mit uns. Meine eigenen Fehler betrachte ich als belanglos, wenn aber meine Frau einen Fehler macht, dann werde ich automatisch zum Richter. Sind wir nicht alle so? Wir sehen den winzigen Splitter im Auge des Bruders, aber den Balken in unserem Auge sehen wir nicht (vgl. Mt. 7:1-5). Wir verkleinern unsere eigenen und vergrößern die Fehler anderer. Wir richten andere, aber nicht uns selbst. Wenn der Herr so mit uns verfahren würde, dann wäre es aus mit uns.

Jesaja sagte, dass der Herr unser Gericht getragen hat: „die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden“ (Jes. 53:5). Wir dürfen das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Warum heißt es in Matthäus 6:12: „Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldigern vergeben“? Dieser Vers zeigt uns das Gericht aus einer anderen Perspektive. Wenn ich andere richte, habe ich meine eigene Schuld nicht erkannt. Wie sich andere an uns versündigt haben oder uns schulden, steht in keinem Verhältnis zu dem, was wir dem Vater schulden. Wir wissen es zwar, aber wir schätzen nicht, dass wir mit einem hohen Preis erkauft worden sind. Wie hoch war der Preis, den der Herr zahlte, um uns zu erretten und zu erlösen? Der Herr durchlitt so vieles als ein Mensch, damit wir mit Gott versöhnt würden. Überdies hätten wir das Gericht verdient und nicht er. Wir lesen die Bibel und verstehen sie, aber in unserem Innersten haben wir nicht erkannt, welch einen hohen Preis er bezahlt hat.

Deshalb gehen wir auch oberflächlich mit der Sünde um und erkennen nicht, wie schrecklich sie ist. Das liegt daran, dass wir nicht heilig sind, wie Gott heilig ist. Gottes Empfinden gegenüber Sünde ist ganz anders als unseres. Wir wenden das Blut des Herrn so an, wie wenn wir bei Kopfschmerzen oder Fieber eine Aspirintablette schlucken und dann fröhlich unseres Weges weitergehen. Aber die Sünde ist weit schlimmer als das Corona Virus. Wenn wir schon dieses Virus fürchten, dann sollten wir uns tausendmal mehr vor der Sünde fürchten, denn sie führt zum Tod. Der durch die Sünde verursachte geistliche Tod ist viel schlimmer als der physische Tod. „Darum, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde und so der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben“ (Röm. 5:12). Wir wissen das – aber nur in unserem Verstand. Wir sind uns des geistlichen Todes nicht bewusst, und deshalb kommt es im Gemeindeleben zu großen Problemen. Wir meinen, dass der Tod kein Problem sei und der Herr uns schnell wieder lebendig machen kann. Eine solch unheilige Haltung verdeutlicht, dass wir nicht verstanden haben, was Tod bedeutet. Es ist, wie wenn wir sagen würden: Mach dir keine Sorgen, wenn du morgen stirbst, denn es gibt ja eine Auferstehung. Wir möchten nicht sterben, bevor der Herr kommt. Doch was nützt es uns bei der Wiederkunft des Herrn, wenn wir zwar physisch leben, aber geistlich tot sind? Der Tod kommt durch die Sünde. Herr, rette mich!

Der Kampf gegen die Sünde

Aus diesem Grund müssen wir das Fest der ungesäuerten Brote (1.Kor. 5:6-8) im Vorhof der Stiftshütte halten. Obwohl wir ein ungesäuertes Brot sein sollten, ist dies leider noch nicht der Fall. Deshalb müssen wir dieses Fest halten! Oder denken wir, dass wir keinen verborgenen Sauerteig mehr in unserem Herzen haben? Wie können wir den Sauerteig ausfegen und in unserem Leib geheiligt sein, wenn es noch so viel Sauerteig gibt, der an unserem Fleisch klebt, und der sehr hartnäckig und schwierig zu entfernen ist? Es ist einfach zu sagen: Wir fegen den Sauerteig aus, aber versucht einmal, es zu tun. Wenn einem Teig Sauerteig zugefügt wurde, kann man ihn nicht mehr entfernen. Der ganze Teig muss entsorgt werden. Geistlich gesprochen bedeutet dies, dass man töten oder abschneiden muss. Das Wort spricht davon: „Das Auge auszureißen“ (Mt. 5:29; 18:9; Mk. 9:47). Dies soll natürlich nicht im wörtlichen Sinn getan werden, sondern mit und durch den Geist. Wenn es um das Fleisch geht, sollten wir nicht zimperlich sein. Hinsichtlich der Heiligung, besonders des äußeren Menschen, war Paulus bereit, für den Herrn zu sterben. Die Apostel wurden zu Märtyrern, weil sie ihr eigenes Leben nicht der Rede wert achteten. Sie haben ihr Leben als Trankopfer ausgegossen. Das ist die Art und Weise, wie wir mit der Sünde umgehen müssen. Auch der Herr zögerte nicht, sondern ging geradewegs nach Jerusalem und starb am Kreuz. Das bedeutet aber nicht, dass es ihm leichtgefallen ist. „Und er geriet in angstvollen Kampf und betete heftiger; und sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen“ (Lk. 22:44). So hart war dieser Kampf. Als ein Mensch hat er die Sünde besiegt. Dieses Beispiel soll die Heiligen aber nicht zu solchen Leiden drängen, sondern es soll uns vor Augen führen, wie schrecklich die Sünde ist und wie sehr wir immer noch durch sie verunreinigt sind.

Es ist wie mit dem Corona Virus. Noch nie habe ich meine Hände so oft und so gründlich gewaschen, wie in den letzten vier Wochen. Lasst uns auch mit der Reinigung durch das Blut des Herrn gründlich umgehen. Dafür sollten wir zehnmal mehr Zeit verwenden als für das Händewaschen. Sonst sagt der Herr: Warte mal, ich habe dich noch nicht gewaschen und du bist schon weggelaufen. Das ist kein Witz, sondern wir machen es so. Wir nehmen das Blut zu selbstverständlich und sagen: Halleluja für das Blut, jetzt bin ich gereinigt. Das ist unsere Haltung und wir lassen es nicht zu, dass der Herr unsere Sünden gründlich behandelt.

Es sollte unser Wunsch sein, nicht nur Vergebung zu empfangen, sondern geheilt und geheiligt zu werden. Vergebung kann sehr schnell geschehen, aber Heilung kann monatelang dauern, abhängig von dem, wovon wir geheilt werden müssen. Warum brauchen wir die Reinigung durch das Wasserbad im Wort? Wenn wir das Wort lesen und in seinem Licht unseren Zustand erkennen, ist es nicht gut, sofort wegzugehen und zu vergessen, was wir gelesen haben. Wenn wir einen Flecken bei einem anderen Menschen sehen, vergessen wir das nie, selbst wenn er bereits weggewaschen wurde. Bei uns selbst aber vergessen wir die Flecken, auch wenn sie noch da sind. Wir brauchen die Reinigung durch das Wasserbad im Wort (vgl. Eph. 5:26). Wenn wir durch das Wasser des Wortes gereinigt werden wollen, müssen wir Zeit investieren und in das Wort hineingehen. Das Wasser muss rein, sauber und lebendig sein. Das ist etwas anderes, als einfach „nur“ das Blut zur Vergebung anzuwenden.

Heute lernen wir in unserem täglichen Leben, die Heiligung in der Gottesfurcht zu vollenden, denn es wird ein Gericht geben (vgl. 2.Kor. 7:1). Das wird veranschaulicht durch das kupferne Waschbecken. Wir könnten unseren Versammlungsraum mit Kupfer auskleiden und weiße, leinene Vorhänge aufhängen, damit wir allezeit daran erinnert werden, dass wir völlig geheiligt werden müssen. In den vergangenen Monaten habe ich dem Herrn oft gesagt: Herr, heilige mich durch und durch! Jeder Teil muss geheiligt werden, nicht nur mein Geist! Denkt nicht, dass unser Geist nicht verunreinigt werden kann. Die Befleckung unseres Seins kann vom Fleisch durch die Seele hindurch bis zu unserem Geist gelangen. Deshalb erwähnt Paulus in 2.Korinther 7:1 „die Befleckung des Fleisches und des Geistes“. Unser ganzes Sein bildet eine Einheit. Es ist unmöglich im Fleisch oder der Seele verunreinigt zu werden, ohne dass dies nicht deinen menschlichen Geist beeinflusst. Am Ende werden wir sogar kein Empfinden mehr für das Leben haben. In Epheser 4:17-19a sagte Paulus: „Dies sage ich nun und bezeuge in dem Herrn, dass ihr nicht mehr so wandeln dürft, wie die Nationen wandeln in der Nichtigkeit ihres Denksinns, die in ihrem Verstand verfinstert sind …“ Dann sind unsere Herzen verhärtet und fremd geworden dem Leben Gottes. Wir werden taub, ohne geistliches Empfinden. Das ist Beschmutzung. Wir werden keinen Appetit mehr haben nach geistlichen Dingen oder für Gottes Wort, keine Gemeinschaft mehr mit den Heiligen pflegen und uns zurückziehen. Möge der Herr uns durch und durch heiligen!

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