Du bist mein Knecht, Israel

In Jesaja 49:3 heisst es: „Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich mich verherrliche.“ Warum wird der Knecht des HERRN hier Israel genannt? Was will der Herr uns damit zeigen? Der Grund ist: Wenn Israel im Fleisch lebt und seinen eigenen Weg geht, dann ist es am Ende nicht mehr das Israel Gottes. Eigentlich sollte Israel der Herr selbst sein, es sollte ein Volk sein, das durch den Herrn lebt. Ohne den Herrn gibt es kein Israel. Wir sagen zum Beispiel, wir Christen seien der Leib Christi, die Gemeinde. Wir müssen jedoch erkennen, dass nicht wir in unserem gefallen Selbst die Gemeinde ausmachen. Vielmehr ist Christus sowohl das Haupt als auch der Leib. Das Problem heute besteht darin, dass zwar Christus das Haupt ist, wir als der Leib jedoch in unserem gefallenen Sein leben. Christus wohnt in uns, doch wir schieben ihn zur Seite und tun die Dinge auf unsere Art und Weise. Wir halten nicht am Haupt, Christus, fest.

Genau das sehen wir auch in den Kapiteln 2 und 3 von Offenbarung. Viele Dinge, die wir tun, tun wir nicht durch den Herrn, sondern in unserem alten Menschen. Dann behaupten wir, wir seien die Gemeinde. Doch nur Christus ist die Gemeinde. Daher zeigt uns Jesaja hier, dass Israel der Herr selbst ist. Ohne ihn gibt es kein Israel. Sonst sind am Ende wir das Haupt der Gemeinde und alle müssen auf uns hören und nicht mehr auf Christus. Kann der Herr dann noch sagen, dass es seine Gemeinde ist?

Wir sehen, wie der Herr am Ende zu seinem Volk gesagt hat, der Tempel „ist EUER Haus“ (vgl. Matthäus 23:38). Zu Beginn sagte Jesus noch über den Tempel „mein Haus“ (vgl. Matthäus 21:13). Doch das Volk hat das Haus Gottes zu einem Kaufhaus gemacht (vgl. Johannes 2:16). Deshalb sagte der Herr: „Siehe, euer Haus wird euch wüst gelassen werden“ (Matthäus 23:38). Und in der Tat, im Jahr 70 n.Chr. hat der Herr Israel durch Titus verwüsten und zerstören lassen. Jesajas spricht von der Zeit, in der Gott Nebukadnezar aus Babylon holen ließ, um alles zu zerstören. Denkt nicht, dass wir, wenn wir einmal die Gemeinde waren, es für immer sind. Vergesst nicht, dass der Herr gesagt hat: „…tue Buße und tue die ersten Werke; wenn aber nicht, werde ich (über) dich kommen und deinen Leuchter von seinem Ort wegstoßen, wenn du nicht Buße tust“ (Offenbarung 2:5b).

Der Herr sagt in Jesaja Kapitel 49, Vers 3: „Du bist mein Knecht, Israel.“ Der Herr muss unsere Augen öffnen. Zion, Jerusalem und Israel ist nichts ohne den Herrn. Genauso muss der HERR alles sein in der Gemeinde heute. Der neue Mensch ist nicht zur Hälfte Christus und zur anderen Hälfte wir. Lesen wir dazu die Verse 10 und 11 im dritten Kapitel des Kolosserbriefes: „…und den neuen Menschen angezogen habt, der erneuert wird zu völliger Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn erschaffen hat.“ Lehrmäßig sind wir alle damit einverstanden. Doch lesen wir weiter: „…wo weder Grieche noch Jude sein kann, weder Beschneidung noch Unbeschnittensein, noch Barbar, Skythe, Sklave, Freier, sondern Christus ist alles und in allen.“ Infolgedessen ist der neue Mensch die Gemeinde. Wir sollen ja Christus, diesen neuen Menschen, anziehen und den alten Menschen ausziehen. Dann ist die Gemeinde nichts anderes als der neue Mensch, Christus. Die Gemeinde ist Christus, der in uns Gläubige eingewirkt wird und den die Gläubigen angezogen haben. Sonst gibt es keine Gemeinde. Denkt nicht, dass es genügt, auf dem sogenannten „Ortsgrund“ zu stehen, um die Gemeinde zu sein, ohne dass die Gemeinde Christus entspricht. Christus selbst ist Israel. Doch weil das Volk zur Zeit Jesajas das Wort Gottes abgelehnt hatte, waren sie nicht mehr sein Israel. Ja, Jerusalem wurde sogar völlig zerstört. Wenn wir heute nicht mehr Christus leben und meinen, wir seien die Autorität Gottes auf Erden und alle müssten auf uns hören, dann entsteht am Ende eine Hierarchie. Sind wir dann immer noch die Gemeinde? Ganz bestimmt nicht!