Christus gewinnen und ihn ausleben

Wir müssen von Paulus lernen. Er sagte zwei sehr kostbare Dinge: „Zu leben ist für mich Christus“ (Phil. 1:21) und „damit ich Christus gewinne“ (Phil. 3:8). Er hat in jedem Moment Christus ausgelebt und wollte ihn allezeit gewinnen. Als ich jung war, suchte ich nach Bibel- wissen. Als ich dann eine gewisse Erkenntnis gewonnen hatte, habe ich entdeckt, dass ich nicht die Kraft hatte, danach zu handeln. Mir ging es wie den Juden damals, die nur das Gesetz Gottes kannten, aber nicht das Leben besaßen, um es zu halten. Die Pharisäer und Schriftgelehrten hatten mehr Erkenntnis als alle anderen, aber sie haben nicht nur nicht geschienen, sondern im Gegenteil, sie lebten in Finsternis und Tod. Vielleicht hat sogar mit der Erkenntnis auch die Finsternis zugenommen. Denke daran: Der Buchstabe tötet (vgl. 2.Kor. 3:6). Heute liebt jeder Erkenntnis, aber sehr wenige möchten Christus gewinnen und leben. Unser Herr ist lebendig, daher müssen wir den lebendigen Christus kennen. Er lebt als der Geist in uns und er möchte, dass wir ihn in unserem täglichen Leben ausleben. Nur so können wir das Licht offenbar machen. Dafür müssen wir üben, in beständiger Gemeinschaft mit dem Herrn zu sein.

Christus groß machen

Philipper 1:20-21 sagt: „Wie ich sehnlich erwarte und hoffe, dass ich in nichts zuschanden werde, sondern dass mit allem Freimut, wie immer, so auch jetzt, Christus groß gemacht wird an meinem Leib, es sei durch Leben oder durch Tod; denn zu leben ist für mich Christus.“ Das ist der Wunsch einer Person, die Christus lebt. Paulus hatte solch ein Verlangen in sich, dass Christus an seinem Leib groß gemacht wird, es sei durch Leben oder durch Tod. Solch eine Person leuchtet wirklich, sie lebt Christus aus. Für Paulus ist es eine Schande, wenn er Christus nicht lebt. Er war nicht nur eine Person, die die Wahrheit mitteilen konnte, sondern er war ein Mensch, der Christus auslebte. Es ist einfach, eine Botschaft zu geben und einen Punkt darzulegen, aber es ist nicht einfach, Christus auszuleben.

Alle, die dem Herrn dienen, müssen ein Leben führen, das Christus aus- lebt. Sie brauchen einen ernsthaften Wunsch, Christus groß zu machen. Im Gemeindeleben geht es nicht darum, auf welche Art und Weise et- was gemacht wird, denn eine Art und Weise funktioniert vielleicht bei dir, aber nicht bei mir. Genauso funktionieren vielleicht meine Methoden nicht bei dir. Der Grund ist, dass Methoden von der Person abhängen, die sie befolgt. Vielleicht haben wir verschiedene Ansichten über Methoden, aber selbst das stellt kein Problem dar. Paulus hatte in Philipper 3 die richtige Ansicht, während andere sie nicht hatten. Aber er sagte in Philipper 3:15: „Alle nun, die erwachsen sind, lasst uns diesen Sinn haben; und wenn ihr in irgendeinem Punkt anders denkt, so wird euch Gott auch dies offenbaren.“ Die Frage ist, ob wir Christus ausleben oder nicht. Wenn wir ihn nicht ausleben, spielt es keine Rolle, wie gut wir eine Sache tun können, denn diese Sache hat dann gar keinen geistlichen Wert. Wenn alle verantwortlichen Brüder und alle Dienen- den in der Gemeinde Christus ausleben, dann werden sie definitiv alle scheinen. Dann wird es keine Probleme geben.

Paulus wollte nicht nur Christus ausleben, sondern er zielte auch darauf ab, Christus an seinem Leib groß zu machen. Wie oft vergrößern wir uns selbst, prahlen mit unserem Talent und mit unserer Klugheit, vergrößern aber nicht Christus! Paulus sagte: „Wie immer, so auch jetzt, Christus groß gemacht wird an meinem Leib“ (Phil. 1:20). Er sagte „wie immer“ und nicht gelegentlich, nicht wenn er zufällig daran denkt. Es war die Gewohnheit von Paulus, Christus groß zu machen. Wie steht es mit uns? Es scheint, dass es unsere gewöhnliche Praxis ist, Christus nicht groß zu machen. Daher finden wir es schwierig, Christus zu vergrößern. Ist das nicht so bei dir? Es war die Gewohnheit von Paulus, Christus zu vergrößern. Es wäre wunderbar, wenn auch wir solch eine Gewohnheit entwickeln könnten! Wie traurig ist es, dass wir es normal finden, Christus nicht zu leben; wenn wir dann Christus gelegentlich ausleben, sind wir begeistert. Möge der Herr uns barmherzig sein. Wenn wir scheinen wollen, dann müssen wir es zu unserer Gewohnheit machen, Christus zu leben und ihn groß zu machen.

2.Korinther 3:18 sagt, dass wir die Herrlichkeit des Herrn widerspiegeln sollen. Einerseits sollen wir das Leben Christi ausleben, andererseits sollen wir die Herrlichkeit des Herrn Jesus widerspiegeln. Daher müssen wir alle die Herrlichkeit des Herrn mit aufgedecktem Angesicht schauen. Das ist sehr praktisch und wunderbar! Wenn wir die Bibel lesen und dabei nur etwas Erkenntnis und einige Lehren ansammeln, wer- den wir die Herrlichkeit Christi nicht widerspiegeln. Besonders alle Boten der Gemeinden und alle Dienenden müssen die Herrlichkeit Christi widerspiegeln. Es nützt nichts, wenn du den Heiligen nur eine Botschaft geben kannst, denn du musst auch das herrliche Licht Christi widerspiegeln. Nur auf diese Weise werden wir zu einem Stern in der rechten Hand des Herrn. Um die Herrlichkeit des Herrn widerzuspiegeln, müssen wir zunächst alle Decken wegnehmen, unser Herz zum Herrn wen- den und die Herrlichkeit des Herrn mit einem aufgedeckten Angesicht anschauen. Das bewirkt unsere Umwandlung in das Bild des Herrn. Diese Umwandlung geschieht von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, denn sie ist das Ergebnis des Umwandlungswerks des Herrn Geist. Wenn wir das Wort des Herrn lesen und nur Erkenntnis gewinnen, ohne dabei die Herrlichkeit des Herrn zu sehen, dann haben wir die Bibel umsonst gelesen! Wenn eine Decke auf dir liegt, bist du wie die Israeliten, die nur das Gesetz gesehen haben, nicht aber die Herrlichkeit Christi. Kein Wunder, dass manche dachten, wir würden zum Gesetz zurückkehren, als wir das dritte Buch Mose gelesen haben. Sie sehen nur das Gesetz im dritten Buch Mose, aber wir sehen darin die Herrlichkeit des Herrn.

Die Vergangenheit vergessen und sich nach vorne ausstrecken

Nach so vielen Jahren im Gemeindeleben ist es heute nicht unser Wunsch, nur die Bibel zu verstehen und etwas Erkenntnis daraus zu gewinnen. Unser innerster Wunsch besteht darin, die Wirklichkeit Christi zu gewinnen. Christus ist lebendig, er ist unbegrenzt. Es gibt noch so viel mehr von seinen unausforschlichen Reichtümern, die wir sehen und erfahren müssen. Paulus hat allezeit die Vergangenheit vergessen; er hat sowohl die guten als auch die schlechten Erfahrungen vergessen. Wenn sich eine Firma verbessern möchte, muss sie allezeit vergessen, was dahinten ist, denn es gibt so viele neue Dinge, die noch entdeckt und entwickelt werden müssen. Wenn wir die Reichtümer Christi erfahren, wird uns das von Herrlichkeit zu Herrlichkeit bringen. Es gab Herrlichkeit in der Vergangenheit, aber heute ist es noch herrlicher und die Zukunft wird am herrlichsten sein. Die 2000 Jahre Geschichte der Christenheit zeigen uns, dass so viele Gruppierungen noch in der Vergangenheit und in Traditionen leben. Sie bleiben Jahr für Jahr dieselben und nehmen sogar ab. Ich möchte nicht in unseren vergangenen Erfahrungen und Traditionen leben, sondern ich will erfahren, wie ich täglich in der Neuheit des Lebens wandle. Ich trachte danach, in der Zukunft in noch größere Herrlichkeit einzugehen, nämlich von Herrlichkeit zu Herrlichkeit! Unser Verständnis und unsere Erfahrung des Herrn muss heute reicher sein als gestern. Auch in dieser Welt gehen alle Dinge vorwärts. Früher wurden Pferdekutschen verwendet, danach der Ford Modell T. Heute sehen wir alle möglichen Autos: Hybrid- und Elektrofahrzeuge, sogar fahrerlose Autos. Wer weiß, was morgen kommt! Glaubst du nicht, dass Gott uns heute noch mehr bezüglich Christus und der Gemeinde offenbaren möchte? Glaubst du nicht, dass er uns heute etwas Neues und Frisches in Bezug auf sein aktuelles Werk zeigen möchte? Paulus sagte: „Wenn jemand meint, etwas erkannt zu haben, der hat noch nicht erkannt, wie man erkennen muss“ (1.Kor. 8:2). Heute gibt es noch so viel von Christus und der Gemeinde und von seinem heutigen Werk zu entdecken!

Das Scheinen ist die Herrlichkeit. Die Menschen sollen die Herrlichkeit Christi in uns sehen. Wenn sie das nicht sehen, dann stimmt etwas nicht. Als der Herr Jesus auf dieser Erde war, sagte er: „Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen“ (Joh. 14:9). Der Herr hat die Herrlichkeit des Vaters in seinem Lebenswandel, in seinen Worten und Handlungen voll und ganz widergespiegelt. Er brachte den unsichtbaren Gott zum Ausdruck. Johannes sagte: „… wir sahen seine Herrlichkeit, … voller Gnade und Wahrheit [Wirklichkeit]“ (Joh. 1:14). Dies ist der beste Weg für den Dienst. Das Licht, das in Christus war, ist Gott selbst. Wenn wir heute Christus ausleben und seine Herrlichkeit widerspiegeln, dann wird unser Dienst keinen Zank und Streit um Position oder Ruhm verursachen. Nur solch ein Dienst kann den Willen des Vaters ausführen und ihn zufriedenstellen. Wir sollten alle ernsthaft beten: „O Herr, mache mich zu einem leuchtenden Stern in der Gemeinde!“

Leuchten wie die Sterne

Daniel sagte: „Und die Verständigen werden leuchten (…) wie die Sterne immer und ewig“ (Dan. 12:3). Alle dienenden Geschwister in der Gemeinde, und vor allem die Ältesten, müssen wie Sterne leuchten! Im vorigen Abschnitt haben wir gesehen, dass die Verantwortlichen ein himmlisches Volk sein müssen. Hier heißt es nun, dass sie wie Sterne leuchten müssen. Um wie Sterne zu leuchten, müsst ihr verständig sein. Allerdings unterscheidet sich himmlische Weisheit von irdischer Klugheit. Der Herr Jesus hatte ein sehr besonderes Gebet in Matthäus 11:25-26: „Zu jener Zeit begann Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir.“ In Gottes Augen ist die Weisheit der Welt eine Torheit. Die Weisheit, über die wir hier sprechen, ist die Weisheit, die von Gott kommt. Um diese Weisheit zu gewinnen, benötigst du Offenbarung von ihm und du musst rein und einfach sein wie ein Kind.

Eine Person mit einer himmlischen Vision

Paulus hatte in Kolosser 1:9 denselben Gedanken: „… dass ihr erfüllt werdet mit der völligen Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und in allem geistlichen Verständnis….“ Die Ältesten, die die Gemeinde leiten, brauchen die Weisheit von oben, um mit der Erkenntnis seines Willens erfüllt zu werden. Diese Art von Weisheit ist ganz anders als das bloße Verständnis von Lehren. Jakobus sagte: „Aber die Weisheit von oben ist zum ersten rein, dann friedsam, großmütig, fügsam, voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, ungeheuchelt“ (Jak. 3:17). Hieran erkennen wir, dass sich die himmlische Weisheit auf unser tägliches Leben auswirkt; sie hat damit zu tun, wie wir leben. Sie lehrt uns, Christus zu gewinnen und ihn auszuleben. Nur so sind wir imstande zu leuchten. Im Gegensatz dazu heißt es: „Habt ihr aber bitteren Neid und Hader in eurem Herzen, so rühmt euch nicht und lügt nicht gegen die Wahrheit. Diese Weisheit kommt nicht von oben herab, sondern ist irdisch, seelisch und dämonisch. Denn wo Neid und Hader sind, da ist Unordnung und jedes wertlose Tun“ (Jak. 3:1416).

Der lebendige Gott selbst ist unsere Methode

Wir dienen dem Herrn nicht durch eine bestimmte Art oder Methode, sondern dadurch, dass wir diesen lebendigen Gott kennen. Heute suchen die Menschen nach Methoden und Wegen, wie sie gewisse Dinge tun können. In der Bibel finden wir jedoch keine Methoden. In der Vergangenheit habe ich viele Methoden und menschliche Wege gesehen – der alte Weg wurde zu einem neuen Weg geändert und dann wieder zurück zum alten Weg. Insgesamt sind es aber wieder menschliche Wege. Wir sollten vor den Herrn kommen und zu seinem Wort, um ihn zu suchen. Wenn du mich fragst, welche Methoden ich habe, dann werde ich dir sagen, dass ich keine Methode habe. Die einzige Methode ist der lebendige Christus, der die Erfüllung des lebendigen Wortes Gottes ist. Wir müssen nur tun, was er durch den Geist und in seinem Wort redet. Wenn er zu uns spricht, dann haben wir einen Weg, denn er ist der Weg (ob das als Methode zu bezeichnen ist, weiß ich nicht). Wenn der Vater uns keine Offenbarung schenkt, sondern seinen Herzenswunsch vor uns verbirgt, dann haben wir kein Licht und folglich auch keinen Weg.

Unser Fokus liegt nicht auf Erkenntnis und Lehren, sondern darauf, die Wirklichkeit zu gewinnen. Die Ältesten und alle Dienenden müssen wie himmlische Sterne sein. In deinem Herzen solltest du schon wissen, ob du ein Stern bist oder nicht. Du solltest selber wissen, ob du himmlisch oder irdisch bist. Du solltest dich selbst prüfen und feststellen, ob du hell leuchtest. Jeder hat Erkenntnis und mag viele Lehren kennen, aber ein Stern zu werden ist keine Sache von Lehren und Erkenntnis; dies kommt daraus, dass wir Christus in der Wirklichkeit erfahren.

Viele Jahre lang sind wir durch eine gewisse Anzahl verschiedener „Trainings“ gegangen und haben alle bezeugt, was das Endergebnis war: Die Heiligen wurden Menschen gehorsam und nicht dem Herrn. Es gab auch Bewegungen, die die jungen Leute aufgerührt haben, gegen die Ältesten zu rebellieren. All das hat dem Zeugnis der Gemeinde viel Schaden zugefügt. Wir geben hier nicht eine Art von Training, sondern wir lernen als Geschwister gemeinsam, das reine Wort des lebendigen Gottes zu praktizieren. Manche Leute werfen uns fälschlicherweise vor, wir hätten die jungen Leute gegen die Ältesten aufgerührt, was definitiv nicht wahr ist. Wenn die Ältesten aufgrund ihrer Position nur Gehorsam und Respekt von den Heiligen einfordern, sich aber schlecht, schändlich und heuchlerisch verhalten, dann ist es kein Wunder, dass die treuen Heiligen (jung oder alt) ihren Respekt gegenüber ihnen und ihr Vertrauen in sie verloren haben.

Die Boten der Gemeinden sollten Sterne sein. In einer klaren Nacht kannst du die Sterne sehen, wenn du zum Himmel schaust. Selbst kleine Kinder kennen die Sterne, wenn sie sie sehen, und brauchen keine Erklärung. Ob du in der Gemeinde ein Stern bist oder nicht, wissen die Heiligen sehr wohl! Je dunkler die Nacht, desto heller leuchten die Sterne. Wenn du also nicht leuchtest und das nicht Licht des Lebens ausstrahlst, bist du dann immer noch ein Stern? Du brauchst nicht darüber zu diskutieren: Du bist, was du bist. Du behauptest vielleicht, dass du ein Stern bist, aber was nützt das, wenn du nicht scheinst? Es ist bedauerlich und eine Schande, dass viele Heilige in den Gemeinden die Ältestenschaft als eine Position ansehen und sich infolgedessen selbst dann den Ältesten unterordnen, wenn diese sich dem Herrn und der Wahrheit widersetzen.

Eine lebendige Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn

Wie können wir scheinen? Was für Personen leuchten gemäß der Bibel? Wenn eine Person keine Zeit in der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Herrn Jesus verbringt und wenn sie nicht in das Allerheiligste hineingeht und dort eine Zeit bleibt, dann kann sie definitiv nicht scheinen! Johannes sagte: „Unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus“ und „Gott ist Licht und in ihm ist gar keine Finsternis“ (1.Joh. 1:3, 5). Gott ist Licht. Wenn du in seiner Gegenwart lebst, dann wirst du sicher scheinen. Keiner wird einfach deshalb scheinen, weil er Erkenntnis hat oder Lehren kennt. Wenn das so wäre, würden dann nicht diejenigen mehr scheinen, die viel länger im Gemeindeleben sind und mehr Erkenntnis angehäuft haben? Aber so ist es nicht. Denkt daran, wie das Angesicht des Mose leuchtete, als er vom Berg Sinai herabkam, nachdem er 40 Tage lang von Angesicht zu Angesicht mit Gott Gemeinschaft hatte. Die Haut seines Gesichts leuchtete (vgl. 2.Mose 34:29)! Das heißt nicht, dass dein Gesicht leuchten wird, wenn du 40 Tage lang die Bibel liest. Das Scheinen setzt voraus, dass du in der Anwesenheit Gottes lebst. Allerdings bleibt dieses Scheinen nicht ewig. Denke nicht, dass das Gesicht des Mose ewig weiter geleuchtet hat, nachdem er vom Berg herabgekommen war. So war es nicht – das Scheinen verschwand. Aber jedes Mal, wenn er in die Stiftshütte hineinging und mit Gott von Angesicht zu Angesicht Gemeinschaft hatte, leuchtete sein Gesicht, als er herauskam (vgl. 2.Mose 34:34-35). Dies ist wie eine voll aufgeladene Batterie, die eine Lampe hell leuchten lässt. Mit der Zeit nimmt das Licht wieder ab und die Batterie muss immer wieder neu aufgeladen werden. Wir können nur dann scheinen, wenn wir beständig in der Gemeinschaft mit dem Vater leben. Je länger die Gemeinschaft, desto heller scheinst du. Wenn du keine Zeit in Gemeinschaft mit dem Herrn verbringst und Gott dir weder erscheint noch zu dir spricht, dann scheinst du mit Sicherheit nicht. Dann wirst du in der Finsternis wandeln.

Nicht über die Herde herrschen

Die Dienenden in der Gemeinde sollen wie die Diener eines Haushalts sein. Sie sollen dort nicht herrschen. 1.Petrus 5:2-3 sagt: „Weidet die Herde Gottes, die bei euch ist, indem ihr die Aufsicht nicht aus Zwang führt, sondern willig, Gott gemäß; nicht mit schändlichem Gewinnstreben, sondern eifrig, auch nicht als die über die Anteile herrschen, sondern indem ihr Vorbilder der Herde werdet.“ Petrus hat es hier sehr deutlich gesagt. Er hatte seine Lektion gelernt. Er konnte solch ein Wort sagen, weil er wusste, dass dies ein Problem in der Gemeinde war. Wenn die dienenden Brüder einfach und demütig im Geist leben würden, dann würde ihr Dienst keine Probleme verursachen.

In Vers 4 heißt es weiter: „Und wenn der Oberhirte offenbar geworden ist, werdet ihr den unverwelklichen Siegeskranz der Herrlichkeit empfangen.“ Wenn alle Dienenden gemäß diesem Prinzip handeln würden, dann bekämen sie eine herrliche Belohnung, wenn der Herr zurückkommt. Wenn nicht, dann werden sie ernsthaft gezüchtigt werden, wenn der Oberhirte erscheint. Einige empfangen dann einen Siegeskranz, andere werden gezüchtigt. Deshalb müssen wir alle lernen, nicht über die Geschwister zu herrschen. Wir sind alle Diener des Herrn. Das Wort Gottes sagt uns, dass wir als Diener Gottes nicht unsere Mitsklaven misshandeln dürfen. Alle Heiligen sind Diener Gottes, nicht nur die dienenden Brüder. Wir müssen alle mit einem demütigen Geist dienen. So wird der Leib Christi in Liebe aufgebaut.

Das Vorbild Christi

Christus ist das Vorbild für unseren Dienst. Wir sind alle mit Philipper 2:5-8 vertraut, aber leider praktizieren wir es nicht so: „Diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus war: Obwohl er in Gottes Gestalt war, sah er es nicht als einen Raub an, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst, nahm eines Sklaven Gestalt an und wurde den Menschen gleich, und, in der Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz.“ Diese Stelle ist sehr kostbar. Das ist das Vorbild, das Christus uns gelassen hat. Paulus hat es sehr klar gesagt: „Diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus war.“ Wie gut wäre es, wenn die Gemeinden solche Boten hätten! Warum hat der Herr Jesus das getan? Weil er uns wirklich liebt. Wenn unser Dienst nicht aus Liebe für ihn geschieht, ist unsere Haltung anders. Wie oft halten wir uns selbst für fähig, begabt, können alles tun und streben danach, großartig vom Herrn benutzt zu werden, und dennoch ist die Liebe Christi nicht in uns? Daher wird alles, was wir tun mögen, nicht vor Gott zählen. Manche Verantwortlichen befehlen den Geschwistern dies und das zu tun, als ob das von ihnen erwartet würde. Wenn dann die Arbeit nicht richtig ausgeführt wird, werden die Heiligen noch gerügt. Oftmals hast du selbst keine gute Arbeit gemacht – hat dich der Herr dann gescholten? Der Herr Jesus kommt dennoch zu dir und ermutigt dich, hilft dir und unterstützt dich. Dennoch ärgern wir uns über die Heiligen und kritisieren sie, wenn sie in ihrem Dienst in der Gemeinde keine gute Arbeit machen. Sie dienen ja nicht uns, sondern dem Herrn. Wir sollten ihnen helfen und sie ermutigen, besser zu dienen. Richte die anderen nicht, sondern warte auf das Gericht des Herrn.

Denke an die Worte von Petrus: Werdet Vorbilder der Herde. Wenn die Geschwister nicht gut dienen, dann solltest du ihnen ein gutes Vorbild sein und mit ihnen zusammen dienen. Das ist die beste Ermutigung. So hat der Herr Jesus seine Jünger trainiert und ihnen geholfen. Er selbst war ihr bestes Vorbild. Wenn der Herr ihnen nur eine Botschaft gegeben hätte, wären die Jünger ganz sicher nicht tief berührt worden. Das hätte nicht funktioniert. Aber sie haben gesehen, wie ihr Herr solch ein Vorbild ausgelebt hat – ein Vorbild in seinen Handlungen und seiner Person, seiner Liebe und seinem Erbarmen, seiner Weisheit und seiner Geduld, seiner Demut und seiner Sanftmut, im Waschen ihrer Füße und letztlich in seinem Leiden und seinem Tod am Kreuz. Solch ein Vorbild konnten sie ihr Leben lang nicht vergessen! Obwohl Paulus nicht anwesend war, konnte er dennoch das Vorbild Christi aufschreiben, weil er die Wirklichkeit im Geist und durch den Heiligen Geist berührt hatte.

Nicht im Selbst oder im Fleisch, sondern im Geist

Eine himmlische Person sollte nicht im Selbst oder im Fleisch leben. Sie muss im Geist leben. Ich glaube, jeder von euch ist damit einverstanden, dass dieser Punkt sehr grundlegend ist. Die verantwortlichen Brüder müssen lernen, im Geist und in der Wirklichkeit durch den Heiligen Geist zu leben und zu wandeln. Natürlich müssen alle Heiligen genauso im Geist leben und wandeln, aber die Verantwortlichen müssen das umso mehr – für sie ist das ein Muss! Wenn die leitenden Brüder im Selbst oder im Fleisch leben, werden sie in der Gemeinde zu einem großen Problem werden. Dann hat die Gemeinde keinen Weg voranzugehen. Um ein himmlischer Ältester zu sein, musst du ein Mensch sein, der im Geist lebt und wandelt. Dieser Punkt ist von größter Bedeutung. Das Wissen über den Geist zu haben ist eine Sache, aber im Geist zu leben und zu wandeln ist eine andere.

Nicht groß sein wollen

Groß sein zu wollen ist kein himmlisches Prinzip, sondern ein teuflisches. Das Matthäusevangelium zeigt uns, dass die Jünger schon zu einer Zeit, als sie noch mit dem Herrn zusammen waren, darüber gestritten haben, wer von ihnen der Größte im Himmelreich sein würde. Jeder möchte nicht nur groß, sondern der Größte werden. Das ist eine verbreitete Krankheit der gefallenen Menschheit. Matthäus 18:1 sagt uns: „In jener Stunde traten die Jünger zu Jesus und sagten: Wer ist denn der Größte im Reich der Himmel?“ Ich hätte es nicht gewagt, so eine Frage zu stellen, vor allem nicht vor dem Herrn. Natürlich ist der Herr der Größte. Wer sonst wäre noch größer? Wenn du es wagen würdest, in der Gegenwart des Königs zu fragen, wer der Größte im Reich ist, dann würdest du deinen Kopf verlieren! Die Person, die solch eine Frage stellt, hat wohl den Ehrgeiz, selber der Größte zu sein. Daher haben die Jünger unter sich gestritten. So eine Frage stellt die Absicht des Herzens bloß: groß sein zu wollen. Wir haben alle diese teuflische Krankheit in uns. Daher sagt der Herr: „Wenn jemand mir nachfolgen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir“ (Mt. 16:24). Ohne dass wir das Selbst verleugnen, haben wir keinen Weg, dem Herrn zu folgen. Wenn du dein Selbst nicht verleugnest, folgst du vielleicht äußerlich, aber innerlich folgst du nicht, sodass du sogar viele Dinge tust, die gegen den Herrn sind. Denke nicht, dass das nicht geschehen wird. Wir kennen uns alle selbst am besten. Daher müssen alle Geschwister, die in der Gemeinde dienen, lernen, ihr Selbst abzulegen und nicht den Ehrgeiz zu haben, groß zu sein oder Ehre und Anerkennung von Menschen zu bekommen. Aber es ist wirklich schwierig, das Selbst zu verleugnen! Deshalb wurde diese Frage in Matthäus 18 gestellt, damit sie unseren Zustand bloßstellt: Wer ist der Größte? Wenn so ein Problem in der Gemeinde aufkommt, wird diese Gemeinde mit Sicherheit ein großes Problem haben. Wenn sich die Ältesten ihrer „Ältestenschaft“ so bewusst sind, dann sind sie schon gefallen. Unser Herr ist sehr weise. Als er diese Frage beantwortete, rief der Herr ein kleines Kind zu sich und sagte: „Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die kleinen Kinder werdet, so werdet ihr gewiss nicht in das Reich der Himmel kommen“ (Mt. 18:3). Frage lieber erst gar nicht, wer der Größte im Himmelreich ist, denn du wirst vielleicht nicht einmal hineinkommen! Es ist nicht einfach für einen Erwachsenen, wie ein Kind zu werden. Aber der Herr Jesus sagte, dass du ein kleines Kind werden musst; du musst Buße tun. Heute müssen wir alle Buße tun.

Erinnert euch an das Wort des Herrn: „Wenn ihr nicht umkehrt und wie die kleinen Kinder werdet, so werdet ihr gewiss nicht in das Reich der Himmel kommen.“ Das ist ein sehr ernstes Wort. Oft habe ich ein merkwürdiges Verhalten bemerkt, wenn jemand zum Ältesten ernannt wurde – plötzlich kommt seine Selbstachtung heraus. Er fängt an zu denken, dass er groß ist und dass er sein ganzes Leben lang ein Ältester sein wird.

In der Vergangenheit hatten die Gemeinden viele Jahre lang Probleme, weil jemand groß sein wollte und nicht willig war, sich zu demütigen und wie ein Kind zu werden. Der Herr Jesus sagte weiter: „Wer darum sich selbst erniedrigt wie dieses kleine Kind, der ist der Größte im Reich der Himmel“ (Mt. 18:4). Ich weiß nicht, was die Jünger dachten, als sie das hörten, und vielleicht haben sie es damals auch nicht richtig verstanden. Außerdem ist es nicht nur eine Sache des Verstehens, sondern die Frage ist, ob du so ein Problem schon einmal erfahren hast. Wenn du noch keine solche Erfahrung gemacht hast, wird es dir nicht helfen, selbst wenn du es verstehst. Wenn du aber die Erfahrung gemacht und gesehen hast, wie viele Probleme in den Gemeinden dadurch verursacht wurden, weil jemand groß sein wollte, dann würdest du dich vor so etwas fürchten. Ich hoffe, dass sich die Dienenden in allen Gemeinden aufgrund der vergangenen Gemeindegeschichte vor Gott demütigen und wie kleine Kinder werden. Denn eigentlich sind die Ältesten nicht über den Heiligen, sondern Diener der Heiligen. Der Herr Jesus selbst ist der einzige, der über jedem einzelnen erhöht ist. Wenn wir das wirklich gesehen und erfahren haben, dann werden wir nicht wagen, auch nur daran zu denken. Ein geistlicher Bruder, der im Geist lebt, wird mit Sicherheit nicht wagen, so etwas zu tun. Wenn jemand den Ehrgeiz hat, groß zu sein, muss er Buße tun. Ansonsten wirst du die Geschwister wie deine Sklaven behandeln und so wirst du für viele Heilige in der Gemeinde an deinem Ort zum Stein des Anstoßes. Der Herr Jesus sagte weiter: „Wer aber einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anstoß bereitet, dem wäre es besser, dass ein großer Mühlstein um seinen Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres ertränkt würde“ (Mt. 18:6). Es ist sehr ernsthaft, wenn du jemanden zu Fall bringst. Das sollten wir nicht übergehen. Himmlisch zu sein bedeutet nicht, dass du über allen stehst. Je himmlischer du bist, desto niedriger wirst du. Je weniger himmlisch du bist, desto stolzer wirst du werden. Wenn jemand, der dem Herrn dient, Respekt und Unterwerfung von anderen einfordert, dann ist er mit Sicherheit irdisch und fleischlich und damit gänzlich disqualifiziert, ein Leitender zu sein.

Obwohl die Jünger gehört hatten, was der Herr in Matthäus 18 gesagt hatte, fuhren sie schon im folgenden Kapitel die kleinen Kinder an, die zum Herrn gebracht wurden. Hatten sie das Wort des Herrn in Kapitel 18 angenommen? Wenn sie es angenommen hätten, dann hätten sie den Kindern gesagt: „Willkommen! Kommt zum Herrn Jesus.“ Der Herr musste nochmals wiederholen: „Lasst die kleinen Kinder und wehrt ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn solchen gehört das Reich der Himmel“ (Mt. 19:14). Ich hoffe, die Jünger fühlten sich reumütig, als sie den Herrn gehört haben! Anscheinend haben sie vergessen, was der Herr in Kapitel 18 gesagt hatte. Niemand von uns ist etwas in der Gemeinde. Was nützt es, wenn wir so viel wissen, fähig sind, und eine Position haben? All das ist leer und nichtig! Wir müssen alle lernen, den herrlichen Christus anzuschauen. Er ist der Größte im Universum. Er ist als Haupt über alles der Gemeinde gegeben. Obwohl er der Schöpfer des Himmels und der Erde ist, kam er auf diese Erde, um unser Diener zu sein.

Offensichtlich war das Problem, dass jemand groß sein will, noch nicht vorbei. In Matthäus 20 kam die Mutter von Jakobus und Johannes zu Jesus. Sie hatte die Hoffnung, dass ihre beiden Söhne im Reich der Himmel groß sein würden, so dass der eine zur Rechten und der andere zur Linken des Herrn Jesus sitzen würde. War das nicht eine großartige Idee? Sie hatte ja gerade zwei Söhne. Das ist ein großes Problem, was großen Schaden in der Gemeinde anrichtet! Jesus antwortete:„Ihr wisst nicht, was ihr bittet. … Ihr wisst, dass die Fürsten der Nationen diese beherrschen und die Großen über sie Gewalt ausüben. So ist es nicht unter euch; sondern wer unter euch groß werden will, soll euer Diener sein, und wer unter euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein, so wie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele“ (Mt. 20:22, 25-28). Möge der Herr jeden von uns erleuchten. Wir verstehen alle die Lehre, aber um das zu tun, müssen wir himmlische Menschen sein. Wenn du fleischlich und irdisch bist, verstehst du vielleicht die Lehre, aber du bist nicht in der Lage, es auszuleben. Du bist immer noch stolz und willst groß sein, du willst, dass die anderen auf dich hören und bist nicht willig, dich selbst zu entäußern und der Sklave aller zu sein. Die Gemeinde ist anders als die Welt. In der Welt gibt es Könige und Fürsten, aber in der Gemeinde gibt es nur Diener. Obwohl der Herr Jesus das Haupt ist, ist er auch der Diener aller Heiligen.

Wenn wir Gott dienen, benötigen wir den Respekt und das Lob von Menschen nicht. Wir sind nichts als Sklaven in der Gemeinde. Je höher deine Position ist, desto niedriger solltest du sein. Es ist eine Schande, einer Position in der Gemeinde nachzueifern. Daher hat der Herr in Matthäus 23 ein ernsthaftes Wort gesprochen und das wahre Gesicht der Pharisäer und Schriftgelehrten bloßgestellt. Sie wollten gerne beachtet und gepriesen werden; sie wollten von den Leuten gesehen werden und waren voller Heuchelei. Sie wollten auf dem Stuhl Moses sitzen, sie liebten die hohen Sitze in den Synagogen und wollten gerne „Rabbi“ genannt werden. Solche Stühle oder einen besonderen Titel gibt es für niemanden in der Gemeinde. Je mehr du den Herrn kennst, desto mehr verwirfst du solche Praktiken. Möge der Herr uns barmherzig sein.

Dem Wesen nach himmlisch

Sterne sind Himmelskörper. Dies zeigt, dass die Ältestenschaft auch himmlisch sein muss. In gleicher Weise muss dann auch die Gemeinde himmlisch sein. Unser Herr Jesus ist auch ein Stern. Er ist der helle Morgenstern (vgl. Offb. 22:16b). Er ist der Mensch vom Himmel. Älteste müssen himmlische Menschen sein. Es kommt nicht darauf an, wie fähig du bist, wie viel Wissen du hast, wie begabt du bist oder ob du ein gewisses Alter erreicht hast. Die Menschen in der Welt schauen auf Talent, Fähigkeit, Macht oder gehen nach dem Rang des Alters. Wer Talent hat und begabt ist, sollte der Leitende sein. In der Vergangenheit haben die Gemeinden es genauso gemacht. Aber das Prinzip in Gottes Wort zeigt uns, dass es darauf ankommt, ob die Person dem Wesen nach himmlisch oder irdisch ist.
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